Berichte aus dem Ausland

Viele unserer Studierenden haben einen Teil ihres Studiums im Ausland verbracht, um dort zu studieren, aber auch um Land und Leute, Wissenschaft und Wirtschaft, Forschung und Kultur kennenzulernen. Manche von ihnen berichten über ihre Auslandserfahrungen.

Luisa Baier an der NCTU in Taiwan

National Chiao Tung University, Taiwan

Luisa Baier verbrachte das Wintersemester 2018/19 in Taiwan an der National Chiao Tung University.

Anfang September flog ich für mein Auslandssemester nach Taiwan. Nach der Landung in der Hauptstadt Taipeh ging es erstmal mit dem High Speed Zug innerhalb von 10min nach Hsinchu. Dort studierte ich für 4,5 Monate an der National Chiao Tung University im Department of Biological Science and Technology. Da Taiwan zu China gehört habe ich mich erstmal an die ganzen Schriftzeichen überall gewöhnen müssen. Doch man fand sich doch ziemlich schnell zurecht in dieser neuen Welt. Wenn wir Fragen hatten, egal in welchem Bereich, konnten wir uns an unserer Universitäts-Nanny Ann Wong wenden. Passende Kurse zu finden, die auf mein Studienfach passen, hat für mich sehr gut funktioniert. Es werden auch viele ausgefallene und interessante Kurse angeboten, was mir sehr gefallen hat. Um allerdings ein vollwertiges Semester an der NCTU zu absolvieren gibt es zu wenig relevante Kurse, die auf Englisch angeboten werden. Der Uni-Alltag war relativ aufwendig, da man viele Präsentationen, Projekte, Tests und Hausaufgaben hatte. Dafür fielen für mich die Klausuren am Ende des Semesters weg. Jedoch hing der Aufwand der Kurse sehr stark davon ab ob es ein Bachelor oder Masterkurs war. Außerdem bot die Uni sehr viele verschiedene Freizeitkurse an, welche auch sehr außergewöhnlich und kulturell waren. Ich selbst habe mich beim Mountain Hiking Club angemeldet.

Gewohnt habe ich in einer WG die sich in einem Hochhaus in der Nähe der Uni befand, zusammen mit anderen internationalen Studenten der NCTU. Die Wohnung war, im Vergleich zu den Dorms, sehr luxuriös und ich hatte sogar ein Fitnessstudio & Pool im Haus und ein Supermarkt & Nachtmarkt direkt gegenüber. Die Miete war minimal niedriger als das was ich in Reutlingen pro Monat zahle, die Dorms sind allerdings sehr viel günstiger. Durch meine Kurse und verschiedene Veranstaltungen an der Uni konnte man schnell viele andere ausländischen Studenten und auch taiwanesische Studenten kennenlernen. Dadurch, dass ich allerdings nicht direkt auf dem Campus gelebt habe, hatte ich öfter Kontakt mit anderen Internationals, die auch in meinem Haus gewohnt haben.

Nach einer ereignisreichen Woche an der Uni, hatte ich über das Wochenende Zeit die wunderschöne Insel zu bereisen. Es ist sehr einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln die vielen Großstädte, Bergdörfer oder Naturparks zu besuchen. Es gibt in diesem doch so kleinen Land extrem viel Verschiedenes zu sehen. Zum einen kann ein Städtetrip in der Hauptstadt Taipei verbringen, wo man zwischen den Tempeln, Parks und Hochhäusern die Kultur kennenlernen kann. Zum anderen kann man die vielfältige Natur kennenlernen und in den Bergen wandern gehen, an der Küste eine Fahrradtour machen oder einfach am Strand in der Sonne liegen.

Außerdem empfand ich es als sehr einfach auch über das Wochenende oder über Feiertage ein anderes Land in der Umgebung zu bereisen. Ich konnte während meines Semesters nach Hongkong, Singapur und Indonesien reisen.

Auf meinen vielen Reisen oder im Alltag ist mir besonders aufgefallen wie hilfsbereit die Taiwanesen sind. Oft wird man auch einfach angesprochen, wenn man mit einem Fragezeichen auf der Stirn herumläuft. Egal wo man nach dem Weg frägt wird einem zu gut wie möglich geholfen. Allerdings sprechen die meisten Taiwanesen kein Englisch oder nur sehr wenig, was es manchmal sehr kompliziert gemacht hat. Jedoch lernt man sehr schnell sich mit Händen und Füßen durchzufragen.

Die Entscheidung für Taiwan als Auslandsemester würde ich immer wieder fällen. Ich konnte während dieser Zeit sehr viele neue Erfahrungen machen sowohl fachlich als auch persönlich. Besonders gefallen hat mir die vielfältige Natur in Taiwan.

Praxissemester, CSIRO, Melbourne, Australien

Ihr Praxissemester absolvierte Marion Fros in Australien an der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO)

“Hey, how are you?” so beginnt ein typisch Tag in ‘straya’, wie man so schön sagen würde. Egal wo man zuerst Menschen auftrifft, eine Konversation zu starten ist super einfach und bringt einen immer zum Lächeln.

Momentan verbringe ich mein Praxissemester bei CSIRO Manufacturing in Clayton, einem von Melbourne’s suburbs. Abgesehen davon, dass ich mir in der Forschung im Bereich biomedizinische Polymere und Oberflächen einen Einblick verschaffe, genieße ich meine Freizeit hier ebenso in vollen Zügen. Egal ob beim Reisen, Wandern in Australiens wunderschönen Nationalparks oder beim Kennenlernen von neuen Leuten und Kulturen: man kann hier vieles erleben und tolle Erfahrungen machen.

Ich kann es also jedem Studi ans Herz legen, eine Zeit lang im Ausland zu studieren oder zu arbeiten, um sich neue Perspektiven zu verschaffen und eine andere Lebensweise zu erfahren!

Cheers from down under,

Marion

Nordlicht über Umeå

Umeå University, Schweden

Im Wintersemester 2017/18 verbrachte Sarah Mundigl ihr Praxissemester an der Umeå University in Nordschweden.

Ende August ging die Reise für mein Praxissemster los. 2500 km Richtung Norden nach Umeå, mit 110.000 Einwohnern die größte Stadt Nordschwedens.

Ich arbeite hier in der Abteilung für klinische Virologie und beschäftige mich mit den Rezeptoren und Eintritts-Mechanismen von Adenoviren. In Schweden ist die Arbeits-Hierarchie etwas anders als wir es gewöhnt sind. Jeder begegnet sich auf Augenhöhe, so ist auch meine Meinung immer gefragt. Ich schätze das sehr, da ich dadurch eigene Ideen einbringen kann und viel aus meinen Erfolgen und Misserfolgen lerne. Man muss daher jedoch auch immer auf den neusten Stand der Dinge sein, um seine Meinung einbringen zu können.

Da Umeå nur circa 350 km vom nördlichen Polarkreis entfernt ist bekommt man das arktische Klima gut zu spüren. Ein Highlight für jeden, der den Winter und den dazugehörigen Outdoor Sport mag. Die Stadt bietet aber für jeden etwas. Da rund 1/3 der Bevölkerung Studenten sind ist immer etwas los und das Freizeitprogramm, sowohl im Studentenviertel als auch in der Innenstadt, ist unersättlich. Verlässt man die Stadt hat man Schwedens Wildnis und Natur pur, die reichlich Platz zum Wandern, Langlaufen, Skifahren … bietet.

Katharina Rogg in Norwegen

University of Bergen, Norwegen

Katharina Rogg machte im Wintersemester 2017/18 ihr Praxissemester am Universitätsklinikum Bergen im Laboratory of Biomaterials.

In der Forschungsgruppe für Biomaterialien an der Uniklinik Bergen arbeite ich für sechs Monate an einer Studie über Hüftimplantate mit. Wir analysieren benutzte Hüftimplantate sowie zugehörige Gewebe- und Blutproben und versuchen den Grund für frühzeitiges Versagen zu erforschen. Dabei setzen wir Methoden wie ein Polarisationsmikroskop, ein Scanning Electron Microscope, ICP-MS (inductively-coupled plasma mass spectrometry), MATLAB um Abriebpartikel im Gewebe zu zählen oder SPSS für Statistiken ein. Ich habe hier die Möglichkeit die Arbeitsweise, Vorteile und Probleme der internationalen Forschung kennenzulernen. Es gibt super viele Möglichkeiten und Freiheiten zu forschen, innovative Ideen und Kreativität sind gefragt, aber oft ist man auch von Finanzierungshilfen abhängig.

Da Bergen mitten in den Fjorden an der Westküste von Norwegen liegt, regnet es fast jeden Tag und das Klima ist für Skandinavien relativ mild. Bergen macht das Wetter aber durch seine wunderschöne Lage zwischen sieben Bergen, seinem großen Hafen und den vielen gemütlichen Holzhäusern wett. Für Natur- und Wanderfreudige ist die Stadt perfekt! Auf den eher spärlich markierten Wanderwegen muss man aber aufpassen, dass man nicht von Trollen in die Irre geführt wird. Die Norweger lieben Geschichten und Traditionen, ich habe viele liebe und gemütliche Menschen getroffen und ab und zu auch noch einen Schimmer von ruppigen Wikingern.

Katrin Gehring im Wohnheim in China

Donghua University, Shanghai, China

Katrin Gehring verbrachte mit zwei Mitstudierenden das Sommersemester 2016 an der Donghua Universität in Shanghai.

Ende Februar begann die Reise ins "Land der Mitte". Wie erwartet erschien am Anfang alles erstmal neu, doch es fiel nicht schwer sich sehr schnell einzuleben! Die Donghua University und das dortige International Office boten viele Aktivitäten an, um andere Studierende kennenzulernen und standen bei jeglichen Fragen mit Rat und Tat zur Seite. Im International Student Appartment lebte ich in einem Doppelzimmer inklusive Badezimmer. Auf jeden Stockwerk gab es eine Art sehr kleine "Küche" und auch Waschmaschinen standen zur Verfügung, sowie einen Laundry-Service und einen Gemeinschaftsraum. In sehr kurzer Zeit lernte man eine Menge ausländische Studierende kennen. Besonders interessant war dies, da man hier auf Nationalitäten traf, mit denen man noch nie Kontakt hatte, beispielsweise Studenten aus Kasachstan, Mongolien, Indonesien, Korea; aber es gab auch viele europäische Studenten. Dieser multikulturelle Aspekt war sogar noch interessanter und weitläufiger als ich es mir erhofft hatte. Dafür war es leider nicht so einfach wirklich gute Freundschaften mit chinesischen Studenten zu schließen. Dadurch, dass die meisten Kurse nur mit Ausländischen Studenten waren und man im Dorm nur mit ausländischen Studierenden zusammen lebte, war der Kontakt zu Chinesen eher sporadisch. Allerdings gab es auch Kursangebote in denen man mit Chinesen zusammen in einer Klasse studiert. Jedoch passten diese Kurse nicht zu meinem Hauptfach. Wenn man jedoch einmal mit einem Chinesen ins Gespräch kommt, sind sie die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft in Person. Generell wird man als Person mit ausländischen Aussehen mit viel Interesse und Neugier behandelt, was einerseits sehr aufmerksam ist, andererseits ist man manchmal nicht unbedingt in der Laune mit zehn verschiedenen Fremden ein Selfie schießen zu wollen.
China hat mich während diesem Semester in seinen Bann gerissen. Es hat großen Spaß gemacht das erlernte im Chinesisch Kurs draußen auf der Straße anzuwenden! Der Lernerfolg war dadurch um einiges gesteigert. Durch viele interessante Gespräche und Freundschaften mit Personen aus anderen Nationalitäten, habe ich viel über andere Denkweisen gelernt und an Weitsicht gewonnen, so wie ich es mir vor meinem Auslandsemester vorgestellt hatte. Alles in allem, war die Entscheidung zu einem Auslandssemester in China eine der besten Entscheidungen, die ich hätte treffen können.
Das BWS-Stipendium hat mir durch die großartige Förderung einerseits meine Karriere im Studium unterstützt, andererseits zur Entwicklung meiner Persönlichkeit beigetragen. Via E-Mail wurde ich über Events vom BWSStipendium ständig auf dem Laufenden gehalten und habe mich dadurch als Part der Community gefühlt.

Valencia

Valencia, Spanien

Jenny Steinhilber hat im Sommersemester 2015 ihr viertes Studiensemester in Angewandter Chemie an der Partnerhochschule Universidad di Valencia in Spanien verbracht.

"Viva España! Anfangs wusste ich noch nicht, was dieser Ausspruch alles einschließt. Doch das Leben hier ist tatsächlich ein wenig lockerer, entspannter und vor allem sonniger...

Mein Wunsch, einmal in Spanien zu leben, hat sich jetzt endlich erfüllt und ich kann es jedem nur empfehlen: Angefangen mit der Uni, die im Übrigen eine kleine Stadt in der Stadt ist. Das Studienangebot und Freizeitangebot ist wirklich vielfältig, es reicht von Fußballplätzen, Tennishallen über Schwimmhallen und Tanzen, bis hin zu Klettertouren in die Berge. Die Erasmusorganisation vor Ort hilft bei jeglichen Problemen und organisiert viele Touren und Trips, beispielsweise nach Marokko, Portugal, Andalusien, Ibiza oder Madrid, um Land und Leute kennenzulernen.

Unterrichtet wird an der Uni in Kursen von 20 bis 50 Leuten, das heißt für Nachfragen bezüglich Sprachproblemen ist immer Zeit. Man sollte dennoch mindestens das Sprachniveau A2 haben.

Im März sind die Fallas hier in Valencia, das größte und wichtigste Fest der ganzen Region. Solltet ihr die Gelegenheit für ein Auslandssemester ergreifen, dann auf jeden Fall in dieser Zeit! 

Valencia hat aber nicht nur im März seinen Reiz. Durch den wunderschönen Strand, das vielfältige Kulturangebot, atemberaubende Architekturen und zahllosen Einkaufsmöglichkeiten ist Valencia eine Stadt, die alt und neu perfekt vereint und zudem sehr weltoffen ist und unterschiedlichste Kulturen vereint. Und im Übrigen durch ein sehr gutes Nahverkehrssystem mit Bus und Metro sehr gut vernetzt ist."